Tests

Microsoft Lumia 950 im Test



Zugeordnete Tags Produkttest | Windows Mobile | Lumia
Bereiche

Bewertung
Innen High-End, außen Budget
4

 Pro

  • Hervorragendes Display
  • Überragende Kamera
  • Windows 10 Mobile
  • Ausstattung
  • Iris-Scanner

 Contra

  • Bedienung nicht immer ganz flüssig
  • Verarbeitungsqualität der Rückseite

Lange mussten sich die Fans der Lumia-Reihe gedulden. Circa ein Jahr und vier Monate nach Release des Nokia Lumia 930, des letzten Windows Phone Flaggschiffs, brachte Microsoft mit dem Lumia 950 und dem Lumia 950 XL die langersehnten Nachfolger auf den Markt.

Zeitgleich erfolgte die Veröffentlichung des neuen Betriebssystems Windows 10 Mobile. Wird Microsoft damit den Anschluss an die Platzhirsche Google und Apple schaffen? Vielleicht lässt sich ja eine Tendenz erkennen. Vorrangig freue ich mich jedoch darauf, ein echtes Stück High-End-Hardware, in Form des Lumia 950, ausführlich unter die Lupe zu nehmen.

Unboxing und Ersteindruck

Enttäuschende Haptik

Erst kommt das Lumia 950 und dann...
... das Zubehör: Netzteil und USB-C-Datenkabel.
Die Front ist schlicht und unauffällig.
Die Kamera ist das auffälligste Element der Rückseite.
Erst kommt das Lumia 950 und dann...

Die quadratische Verpackung macht schon einmal einen hochwertigen Eindruck. Beim Öffnen kommt zuerst das Lumia 950 zum Vorschein. Links daneben befindet sich die Zubehörbox mit dem Ladegerät und dem USB-Typ-C-Datenkabel.

Der Akku ist schon eingelegt, sodass man gleich loslegen kann. Dieser ist zudem auswechselbar und das sind zusammen mit dem microSD-Kartenslot, der den ohnehin schon großzügig bemessenen internen Speicher von 32 Gigabyte um bis zu 200 Gigabyte erweitert, insgesamt drei sehr gute Nachrichten.

Leider führt diese Nutzerfreundlichkeit zu einem unangenehmen Nebeneffekt: Die abnehmbare Gehäuserückseite knackt und knarzt. Bei meinem Testgerät ist dies besonders im unteren Bereich auffällig und tritt schon bei leichter Berührung auf. Für ein 600-Euro-Smartphone ist das ein No-Go!

Die restliche Verarbeitung ist jedoch sehr wertig. Alle drei Buttons besitzen einen sehr guten Druckpunkt. Und das Kunststoffgehäuse lässt sich durch die matte und leicht angeraute Oberfläche angenehm tragen.

Insgesamt kommt das Lumia 950 nicht an das Look and Feel eines iPhone oder eines Galaxy S6 heran. Da ist eindeutig mehr Potenzial vorhanden.

Display

Am Rande der Perfektion

Das Display des Lumia 950 ist 5,2 Zoll groß und löst mit 2.560 mal 1.440 Pixeln auf. Im Alltag bedeutet das ganz einfach: Schärfer geht es nicht! Im Gegensatz zu meinem Lumia 830, das mit 1.280 mal 720 Pixeln bei 5 Zoll auflöst, sind einzelne Bildpunkte bei meinem Testgerät gar nicht mehr zu erkennen.

Des Weiteren werden die Farben trotz AMOLED-Technik sehr natürlich und nicht zu knallig dargestellt. Zusammen mit dem absoluten Schwarzwert ergibt das ein tolles Gesamtbild, das besonders bei der Foto- und Videobetrachtung wunderbar zur Geltung kommt. Auch die Blickwinkelstabilität ist AMOLED-typisch sehr gut. Die Helligkeit ist ebenfalls ausreichend, denn auch bei direktem Sonnenlicht lassen sich die Inhalte problemlos ablesen.

Microsoft ist hier ein in der Darstellung farblich sehr ausgewogenes, scharfes und brillantes Display gelungen.

Das 5,2 Zoll Display ist hell und hochauflösend.
Blickwinkelstabilität und Schwarzwert sind AMOLED-typisch sehr gut .
Das 5,2 Zoll Display ist hell und hochauflösend.
Software und Bedienung

Windows 10 Mobile überzeugt

Windows 10 Mobile ist ebenfalls ein langersehnter Nachfolger, nämlich von Windows Phone. Nach aktuellem Stand ist die momentane Version noch nicht hundertprozentig fertig, aber ich konnte im Alltag keine Einschränkungen feststellen. Es gab keine Abstürze oder Neustarts. Hin und wieder kam es zu kleinen Verzögerungen, welche die ansonsten sehr flüssige Bedienung ein wenig ausbremsten.

Das Back-up meines Lumia 830 wurde ohne Probleme übernommen, ich konnte meine Apps genauso nutzen wie vorher. Einige wurden natürlich im Zuge der Einführung von Universal Apps (eine App für PC, Tablet und Smartphone) oder der Umprogrammierung auf Windows 10 Mobile neu gestaltet.

Es gibt einige praktische Neuerungen, wie die erweiterte Benachrichtigungsleiste mit 16 Shortcuts. Zudem wurde das Einstellungsmenü gründlich überarbeitet und jetzt kann man ein Hintergrundbild für den gesamten Startbildschirm und das App-Menü einstellen.

Ansonsten gibt es keine grundlegenden Bedienungsänderungen, womit eine größere Anpassungszeit entfällt. Auch die Windows-typische Kacheloptik ist geblieben.

Eine interessante Funktion, die ich eher durch Zufall entdeckt habe, ist die Displayverkleinerung: Durch längeres Drücken der Windows-Taste wird der Bildschirminhalt reduziert und ist nur noch in der unteren Hälfte des Displays sichtbar. Damit soll wohl die Einhandbedienung verbessert werden, was auch gelingt. Aber das ist bei dem fast schon handlichen Lumia 950 nicht wirklich nötig. Diese Funktion ist eindeutig für Smartphones mit einem größerem Bildschirm konzipiert.

Mit seinen Maßen von 145 mal 73,2 mal 8,2 Millimetern und einem Gewicht von 150 Gramm liegt das Lumia-Smartphone sehr gut in der Hand. Das Handling ist ausgezeichnet, wozu die On-Screen-Tasten ihren Teil beitragen. Bei Android-Smartphones sind diese zwar schon lange üblich, aber auch ein Hersteller wie Microsoft darf und sollte dazulernen. Der Touchscreen reagiert zuverlässig und bei Bedarf lässt sich die untere Tastenleiste jederzeit ausblenden.

Durch Doppeltippen auf die Leiste lässt sich das Lumia 950 sogar in den Standby-Modus versetzen. Allerdings funktioniert das Aufwecken mittels Doppeltippen nicht, diese Funktion hat Microsoft leider eingespart.

Dies trübt jedoch keinesfalls den positiven Gesamteindruck: Beim Lumia 950 bilden Hard- und Software eine sehr gute Einheit.

Hintergrundbild in allen Menüs und Displayverkleinerung
Mehr Schnelleinstellungen und ein neues, schlichtes Design
Hintergrundbild in allen Menüs und Displayverkleinerung
Kamera

Tolle Kamera-Ausstattung

Eine freudige Nachricht für alle Smartphone-Fotografen: Es gibt einen zweistufigen Kamera-Button! Bis auf Sony bietet leider kein anderer großer Hersteller einen solchen Auslöse-Button an, obwohl dieser wirklich sehr praktisch sein kann.

Die Hauptkamera auf der Rückseite des Geräts löst mit 20 Megapixeln auf und macht bei Tageslicht ausgezeichnete Fotos. Die Schärfe und Farbwiedergabe sind sehr gut. Besonders hervorzuheben ist jedoch die Bildqualität bei lichtschwachen Situationen und Kunstlicht: Es ist kaum störendes Bildrauschen vorhanden. Die Detail- und Farbwiedergabe bleibt selbst unter diesen erschwerten Bedingungen auf einem guten Niveau.

Des Weiteren reicht der verbaute Triple-LED-Blitz locker aus, um einen 20 Quadratmeter großen Raum auszuleuchten. Für Selfies hat Microsoft außerdem eine 5-Megapixel-Frontkamera verbaut. Dank der vielfältigen manuellen Einstellmöglichkeiten lässt sich mit etwas Geschick sicher noch mehr aus den Kameras herausholen.

20-Megapixel-Kamera für tolle Aufnahmen bei Tag und Nacht
Dreifach-LED-Blitz für eine optimale Ausleuchtung
Die Frontkamera löst mit 5 Megapixeln auf
Beispielfoto 1: innen mit Blitz
Beispielfoto 2: innen ohne Blitz, bei Kunstlicht
Beispielfoto 3: abgedunkelte Halle
20-Megapixel-Kamera für tolle Aufnahmen bei Tag und Nacht
Kommunikation

Iris-Scanner & Windows Continuum

Beim Telefonieren leistet sich das Lumia keine Schwächen. Ich konnte meinen Gesprächspartner klar und deutlich hören und verstehen. Bis auf ein leichtes Hintergrundrauschen werden alle übrigen Störgeräusche einwandfrei herausgefiltert.

Bei den Schnittstellen hat Microsoft ebenfalls nicht gespart. LTE, WLAN-ac, Bluetooth 4.1, NFC sowie kabelloses Laden sind an Bord. Die LTE- und WLAN-Verbindungen bleiben stets stabil und der Empfang ist zu jeder Zeit sehr gut.

Für die kabelgebundene Übertragung hat Microsoft den neuen USB-Typ-C-Anschluss verbaut, womit sich das separat erhältliche Display Dock und damit Windows Continuum nutzen lässt. Das Display Dock fungiert dabei als Multi-Port-Adapter. Dabei wird das Smartphone über HDMI an einen beliebigen Monitor angeschlossen und zusammen mit Maus sowie Tastatur, die sich ebenfalls an das Display Dock anschließen lassen, wird das Smartphone zum PC-Ersatz.

Kommen wir zum, aus meiner Sicht, absoluten Highlight: Windows Hello. Für den Iris-Scan besitzt das Lumia 950 eine spezielle Infrarot-Kamera. Die Einrichtung ging relativ flott. Das Ergebnis ist aber mehr als beeindruckend: Man nimmt das Smartphone in die Hand, drückt den Power-Button, die Kamera leuchtet Rot auf und innerhalb einer Sekunde ist das Gerät entsperrt. So schnell geht keine konventionelle PIN-Eingabe. Trotz Brille oder schummrigem Lichts hat der Scan-Vorgang stets zuverlässig geklappt.

Windows Hello - mit Iris-Scan binnen einer Sekunde angemeldet
Windows Hello - mit Iris-Scan binnen einer Sekunde angemeldet
Leistung und Akku

Ausreichend Power für einen Tag

Das Lumia 950 besitzt einen Snapdragon 808, der mit 1,8 Gigahertz taktet. Mit dem Sechskern-Prozessor und den verbauten 3 Gigabyte Arbeitsspeicher läuft Windows 10 Mobile sehr flüssig. Es gibt kaum Wartezeiten beim Starten von Apps, Ladezeiten sind angenehm kurz und nur ganz selten gibt es Mikro-Ruckler.

Bei Spielen oder längerer YouTube-Nutzung wird mein Testgerät leider recht warm. Einen Leistungsabfall, wie er beim Snapdragon 810 teilweise vorkommt, konnte ich allerdings nicht feststellen.

Ein Lob hat sich Microsoft auf jeden Fall dafür verdient, dass sich ihr neues Flagschiff kabellos laden lässt. In circa drei Stunden ist das Lumia 950 vollständig aufgeladen. Mit dem mitgelieferten USB-Power-Ladegerät erreicht man eine Akku-Ladestand von 50 Prozent innerhalb von 30 Minuten. Ausnahmsweise stimmt hier also das Werbeversprechen. Um auf 100 Prozent zu kommen, ist noch einmal eine weitere Stunde nötig. Für einen 3.000-Milliamperestunden-Akku ist das ein sehr guter Wert.

Aber leider habe ich mich zu früh gefreut, denn genau so schnell wie der Akku sich füllt, so schnell entlädt er sich auch wieder. Die Betriebslaufzeit ist für so einen großen Akku wirklich nicht berauschend. Dabei bin ich mit regelmäßiger Messenger-Nutzung, ein bis zwei Telefonaten, einer Stunde Surfen und drei bis vier Fotos am Tag wahrlich kein Power-User!

Ein Tag ist bei alltäglicher Nutzung locker möglich, aber um über den zweiten zu kommen, sollte man entweder einen Wechsel-Akku mitnehmen oder mit gezücktem Ladekabel nach einer Steckdose Ausschau halten.

Die Akku-Leistung reicht locker für einen Tag aus
Die Akku-Leistung reicht locker für einen Tag aus
Fazit

Microsoft überzeugt mit inneren Werten

Abschließend lässt sich feststellen: Das Lumia 950 ist das langersehnte Highend-Smartphone von Microsoft, das sich viele Nutzer gewünscht haben. Sicher gibt es beim unspektakulären Design, der Verarbeitung und der an einigen Stellen hakeligen Software einige nennenswerte Kritikpunkte, aber vor allem bei den inneren Werten kann das Lumia überzeugen. Iris-Scanner, kabelloses Laden, QHD-Display, auswechselbarer Akku, Speicherkartenslot, ein Sechskern-Prozessor mit 3 GB Arbeitsspeicher und, nicht zu vergessen, die überragende 20-Megapixel-Kamera und die Möglichkeit, mittels Windows Continuum das Smartphone als kleinen PC-Ersatz zu nutzen. Microsoft zeigt hier eindeutig, was aktuell technisch alles möglich ist.

Mit Windows 10 Mobile wurde das mobile Betriebssystem nicht neu erfunden, aber die Software wurde von einigen Bugs befreit und um einige nützliche Features ergänzt. Ob Microsoft damit an die bereits etablierten OS von Google und Apple rankommt, ist schwierig zu sagen. Mich persönlich überzeugt das verbesserte Konzept.

Trotz der oben erwähnten Kritikpunkte, die bei einem aufgerufenen UVP von 599,00 Euro durchaus berechtigt sind, ist das Lumia 950 ein hervorragendes Smartphone, das ich nur ungern wieder abgebe. Wer gerne zwei SIM-Karten nutzt, kann sich zudem über eine Dual-SIM-Variante freuen. Und wem das 5,2-Zoll-Display nicht ausreicht, der greift zur noch etwas leistungsstärkeren XL-Variante.

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