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HTC One - Edel-Smartphone im Test



Zugeordnete Tags HTC | One | Smartphone
Bereiche

Bewertung
Fast perfektes Edel-Smartphone
4,5

 Pro

  • Hervorragende Verarbeitung
  • Edles Auftreten
  • Innovative Features

 Contra

  • Unausgereiftes Sense 5
  • Schlecht positionierter Power-Button
  • Unpraktisch gerundete Rückseite

Außergewöhnliches Display, edle Aluminiumhülle und Beats-zertifizierte Kopfhörer, dazu Quadcore-Power und Ultra-Pixel-Kamera: So sieht der Plan der taiwanesischen Smartphone-Schmiede HTC zur Wiedererlangung der Marktführerschaft aus. Nachdem der Hersteller in den Anfangstagen von Android sehr erfolgreich war, gar das erste Android-Phone überhaupt produzierte, wurde die Luft nach Erfolgs-Smartphones à la HTC Desire zunehmend dünner. Aktuell bewegt sich der Hersteller an der Gewinngrenze und präsentiert mal schwarze, mal rote Zahlen.

Klar, dass ein neuer Knaller her musste, nachdem die 2012 erschienene One X/S/V-Reihe nicht den gewünschten Erfolg brachte. Anfang 2013 präsentierte HTC mit dem schlicht “One” getauften Exemplar das diesjährige Topmodell. Ich habe in den vergangenen Wochen getestet, ob sich HTCs Versprechungen im Alltag bewähren und ob das One zum Marktführer taugt.

Einfach macht es die Konkurrenz nicht: Mit Xperia Z, iPhone 5 und Galaxy S4 stellen sich potente und bildstarke Konkurrenten dem Kampf um die Geldbörse des potenziellen High-End-Smartphone-Käufers im oberen bis obersten Preissegment. Insbesondere die Galaxy-Reihe von Samsung weiß sich bei der Käuferschaft durchzusetzen und schafft es, Rekordzahlen à la Apple abzusetzen.

Lieferumfang

Unboxing und Ersteindruck

Wie sieht er nun wirklich aus, der taiwanesische Herausforderer, und wie fasst er sich an? Die flache Packung in Form eines Würfels mit abgerundeten Ecken lässt sich nicht lange bitten und gibt ihren Inhalt schnell und problemlos preis. Dem One fügt HTC ein Paar Beats-zertifizierte Kopfhörer und das übliche Papierwerk bei.

Mir lag die schwarze Ausgabe des Smartphones vor und ich muss sagen, der Hersteller hat nicht zu viel versprochen. Sofort fällt der 4,7 Zoll messende Touchscreen auf, der von fein perforierten Lautsprecherabdeckungen, einer Frontkamera und neuerdings nur noch zwei Soft-Buttons (Home und Zurück) umrahmt wird. Rechts ist die Lautstärkewippe, links der MicroSIM-Schacht, unten USB- und oben Klinkenanschluss sowie der Einschaltknopf.

Auf der Rückseite sind ein edler Firmen-Schriftzug, das Beats-Logo und zwei dünne graue Plastikstreifen zu erspähen, die sich sehr gut ins Gesamtbild einfügen. Die obligatorische Rückseitenkamera – Verzeihung: die Ultra-Pixel-Kamera und der LED-Blitz runden die Edel-Impression ab. Bis auf die Seitenpaneele und die beiden Streifen auf der Rückseite hüllt sich das gesamte Smartphone in ein mattschwarz eloxiertes Aluminiumkleid und gibt sich dementsprechend wertig-schwer und kühl.

Die abgerundeten Kanten kennt man vom kalifornischen Konkurrenzprodukt und auch hier unterstreichen sie die wertige Anmutung des Telefons. Die Verarbeitung macht – im Redaktionsjargon gesprochen – “einen guten” und befindet sich auf allerhöchstem Niveau. Lediglich für das bei meinem Testgerät minimal schief eingesetzte Display können Apple-verwöhnte Umsteiger ein paar Punkte in der B-Note abziehen – aber das sieht sicherlich bei den meisten Ones besser aus.

Aluminium fand in der Vergangenheit bei HTC bereits mehrmals Einsatz – beispielsweise beim Desire HD oder auch beim Vorjahresmodell One S. Allerdings setzt das neue One dem Ganzen die Krone auf und imponiert mit quasi nicht vorhandenen Spaltmaßen und der völligen Abwesenheit von Schrauben.

Insgesamt verbleibt ein sehr würdiger Eindruck eines wirklichen High-End-Geräts. Einziges Manko: Der Einschalter befindet sich – warum, wird später noch besprochen – auf der Oberseite des Geräts und ist einhändig nur mit sturzgefährlicher Fingerakrobatik zu erreichen. Über die Soft-Buttons lässt sich das Telefon natürlich nicht aktivieren, sodass der Griff zwangsweise zum ungünstig positionierten Einschalter gehen muss.

Noch weilt es in der Packung...
...strahlt den freudigen Besitzer jedoch gleich an.
Das Zubehör ist in Ordnung.
Noch weilt es in der Packung...
Technische Daten

Full HD, Quadcore und LTE

Für ein Gerät wie das HTC One verstehen sich entsprechend hochwertige Komponenten im Inneren des Gehäuses sozusagen von selbst. Das Hauptaugenmerk des Benutzers dürfte hierbei auf dem einzigartigen Display liegen. Full HD oder 1.920x 1.080 Pixel auf 4,7 Zoll bietet derzeit kein anderes Smartphone.

Mit imposanten 469 Pixeln pro Zoll lässt das One die gesamte Konkurrenz einschließlich iPhone & Co. alt und verpixelt aussehen. Fraglich mag sein, wer da noch einen Unterschied oder gar einzelne Pixel erkennen können soll. Doch verständlicherweise will sich HTC in diesem Punkt nicht mit einer geringeren Auflösung als die Konkurrenz zufrieden geben – denn 1.280x 720 Pixel boten ja schon die Vorjahresmodelle mit 4,7 Zoll. Letztlich bleibt da nur der Schritt zur sehr hohen Full-HD-Auflösung.

Das Gleiche trifft auf den Betrachtungswinkel zu, auch dieser lässt sich nur als “sehr hoch” bezeichnen. Begründet liegt dies in der Bildschirmarchitektur: Im Gegensatz zur Galaxy-Reihe verzichtet HTC auf AMOLED-Bildschirme und viel diskutierte Subpixel-Experimente – vielmehr kommt auch beim hochauflösenden Bildschirm des One die bewährte LCD-Technik zum Einsatz. So punktet es mit hervorragender und stabiler Farbdarstellung und Sonnenlicht-tauglicher Helligkeit. In der Tat lässt sich das One auch im Sonnenschein nahezu uneingeschränkt benutzen.

Flankiert wird das imposante Display von einem 1,7 GHz taktenden Quadcore-Prozessor der allerneuesten Snapdragon-600-Generation und 2 GB Arbeitsspeicher. Logisch, dass da im Betrieb nichts ruckelt und alles wirklich sofort, ohne jede Verzögerung geschieht. Dazu gibt es 32 GB internen Speicher und ein UMTS/LTE-Modul, das auch die in Deutschland üblichen Frequenzen beherrscht.

In den An-/Ausschalter integrierte HTC beim One einen damit unsichtbar wirkenden Infrarotsender. Dieser beherrscht bereits ab Werk per zugehöriger App die Fernbedienung zahlreicher handelsüblicher Fernseher. So genügt künftig der Griff zum One und Fernseher, Radio & Co. lassen sich komfortabel steuern. Sollte das zu steuernde Gerät sich nicht im vorgefertigten Katalog befinden, kann das One über die alte Fernbedienung schnell angelernt werden und beherrscht dann auch dieses Gerät. Zusätzlich wartet die entsprechende App mit einer Übersicht über das aktuelle TV-Programm auf und mit einem Fingerdruck ist man bei der Lieblingssendung. Damit präsentiert HTC eine wirklich praktische und kreative Innovation mit Alltagsnutzen.

Ähnliches gilt in puncto Kamera: Statt auf noch mehr Megapixel zu setzen, gibt sich HTC mit “nur” 4,3 Megapixeln zufrieden, benutzt für diese jedoch einen vergleichsweise großen Sensor. Dieser fängt insbesondere in dunklen Szenen mehr Licht ein als vergleichbare Smartphones und sorgt so auch bei wenig Licht für immer noch brauchbare und gut ausgeleuchtete Bilder. Insgesamt stellen sich die mit dem One aufgenommenen Bilder sehr rauscharm dar und die anhand der geringen Auflösung vermutete Detailarmut tritt erst bei stärkeren Zoom-Stufen zutage. Wie so oft, zeigt sich auch hier: Weniger ist mehr. Mehr Licht ist den Smartphone-Bildern definitiv zuträglicher als immer höher geschraubte Auflösungen.

Hardware

Boom Sound, Beats und die Garantie

Darüber hinaus wirbt HTC mit der bereits bekannten und bei Kunden beliebten Beats-Audio-Erweiterung. Dieses Betriebssystemmodul aktiviert sich bei eingesteckten Kopfhörern – und passende Beats-Kopfhörer liegen ja dem Smartphone gleich bei – und verschaffen dem Hörer ein intensives Klangerlebnis.

Für meinen persönlichen Geschmack ist das Gebotene jedoch viel zu basslastig. Klar, hervorgehobene Tiefen verschaffen der Musik den entsprechenden Nachdruck. Wenn jedoch dabei die Höhen völlig und die Mitten teilweise untergehen, scheint das Experiment leider gescheitert.

Glücklicherweise lassen sich noch zahlreiche andere Soundprofile auswählen – auch wenn dann klar wird, dass die mitgelieferten Kopfhörer leider nicht die besten sind. Nach wenigen Tagen zeigte mir mein Test-One keine Beats-Benachrichtigung mehr beim Einstecken der mitgelieferten Kopfhörer an und spuckte die Töne nach wie vor fröhlich über die Lautsprecher aus. Nachdem sich dies auch mit anderen Kopfhörern nicht änderte, ist das wohl ein kleiner Defekt, der nach dem Test im Rahmen der Garantie geklärt werden wird.

Völlig anders sieht es an der zweiten Klangfront aus: HTC implementiert Boom Sound ins One. Hinter dieser Bezeichnung verbergen sich die in die Front eingelassenen Stereo-Lautsprecher, die gemäß Werbetext alle anderen Smartphones locker übertönen.

Der Praxistest zeigt: Ja, das sind wirklich die besten Lautsprecher, die man derzeit in einem Smartphone bekommen kann. Die Tatsache, dass sie intelligenterweise nach vorn und nicht wie üblich nach hinten gerichtet sind, tut ihr übriges und qualifiziert damit das One als Gerät der Wahl für ÖPNV-beschallende Jugendliche.

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Software

Sense 5, BlinkFeed und (bald) Android 4.2

Auch in puncto Software stehen beim One alle Zeichen auf Runderneuerung: Hier kommt das Android-Betriebssystem zusammen mit der HTC-eigenen Sense-Erweiterung in der neuen Version 5 zum Einsatz. Android liegt beim One derzeit noch in 4.1 vor, auch wenn der Hersteller das Update auf 4.2 schrittweise ausrollt.

Wer bereits mit den bisherigen Sense-Versionen gearbeitet hat, wird sich bei Sense 5 ebenso wie alle Umsteiger erst einmal neu zurecht finden müssen. Die Oberfläche sieht völlig anders aus als die Vorgänger und ist wesentlich klarer, abstrakter und kontrastreicher gezeichnet als zuvor. Zentral integriert wird der sogenannte BlinkFeed, ein Homescreen, der Nachrichten aus aller Welt sowie Facebook, Twitter & Co. aggregiert und komfortabel aufbereitet.

Auch an vielen anderen Stellen der Oberfläche hat HTC umgebaut, entrümpelt und neu gestrichen. Aktuell wirkt das Ganze noch etwas unausgereift und unaufgeräumt, aber das sollte sich mit künftigen Software-Updates verbessern – außerdem sprechen wir hier über Kritik auf hohem Niveau.

À propos Software-Update: Just in dem Augenblick, da ich diesen Test fertigstelle, rollt HTC das Update auf Android 4.2 für das One aus und bringt damit umfangreiche Änderungen an Sense 5. Zu gern hätte ich mir die Neuerungen noch einmal angeschaut, doch leider blieb dafür keine Zeit mehr.

Fazit

Das fast perfekte Edel-Smartphone

HTC legt mit dem One wirklich einen Knaller vor: knackiges Äußeres und runderneuerte Software im Zusammenspiel mit Features, die man bei anderen Herstellern vergeblich erwartet. Die Verarbeitung sucht ihresgleichen, bei Sense 5 ist alles neu. Darüber hinaus wartet das One mit Features à la Boom Sound und Infrarot auf – Neuerungen, die sich im Alltag bewähren dürften.

Ob die geneigte Käuferschaft künftig wieder mehr zum Taiwanesen statt zum Südkoreaner greift, werden die nächsten Quartalsergebnisse zeigen. Autorin Anne hat bereits einen ersten Blick auf die Zahlen geworfen. Darüber hinaus steht mit dem HTC One Mini bereits ein etwas kleinerer Ableger in den Startlöchern und das HTC One Max als Phablet-Version kommt wohl auch in diesem Jahr noch auf den Markt.

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