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Das lange erwartete Moto X im Test



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Bereiche

Bewertung
Nur ein Ableger des echten Moto X
2,5

 Pro

  • Performance
  • Software-Erweiterungen
  • Neuestes Android
  • Kamera

 Contra

  • Preis
  • Verarbeitung
  • Ältere Hardware
  • Benötigt Nano-SIM-Karte
  • Speicher nicht erweiterbar

Einige Monate hat es gedauert, bis das im August vorgestellte Smartphone von Motorola auch in Deutschland erhältlich war. In der USA ist es sehr beliebt, unter anderem wegen der hohen Individualisierbarkeit und der guten Qualität des Geräts. Wodurch sich die in Deutschland erhältlichen von den US-Modellen unterscheiden und was das Moto X gegenüber anderen Smartphones bietet, erfahrt ihr in meinem Test. Eines vorweg: Meine Erwartungen wurden leider sehr enttäuscht, sodass ich die positiven Stimmen aus den USA leider nicht ganz nachvollziehen kann.

Design

Designblase verpufft

Das größte Highlight in den USA: Der Nutzer kann mit dem Moto Maker das Design des Moto X selbst bestimmen. Es gibt eine riesige Auswahl an Farben und Materialien, sodass sich das Smartphone bis hin zur Farbe des Kamerarings individualisieren lässt. In den USA kann jeder mit dem Moto X seinen eigenen Designmix verwirklichen und ein einzigartiges Smartphone erstellen. Hierzulande ist das bisher völlig ausgeschlossen. Denn erst im zweiten Quartal 2014 soll der Moto Maker nach Europa kommen, sodass wir uns zunächst mit der bisherigen Optik zufrieden geben müssen.

So gibt es das Moto X in Deutschland bisher nur in zwei Farben zu kaufen – Weiß oder Schwarz. Individuelle Anpassungen sind nicht möglich und die Rückseite ist auch nicht abnehmbar. Hinzu kommt, dass die auf Produktfotos strukturierte Rückseite des Moto X in Wahrheit nur eine einfache, mit Muster lackierte Plastikschale ist. Diese ist wenig griffig und erinnert an günstige Einsteigergeräte, auch wenn sie dank der gebogenen Form gut in der Hand liegt. Auch die Vorderseite des weißen Modells finde ich wenig gelungen, da die Farbe einen leichten Gelbstich aufweist und farblich kaum zur Rückseite passt.

Die Knöpfe sitzen fest im Gehäuse und bieten einen guten Druckpunkt. Das Display ist gerade sowie bündig verbaut und bietet keinen Grund zur Kritik. Allerdings ist eine deutliche scharfe Kante zwischen Vorder- und Rückseite zu sehen und zu spüren, die sich rings um das Gerät zieht und nicht entgratet wirkt. Die Verarbeitung an dieser Stelle erinnert eher an ein Vorserienmodell und ist zu diesem Preis nicht akzeptabel. Schon beim ersten “in die Hand nehmen” fällt die Kante störend auf und vermittelt kein gutes Gefühl.

Software

Besondere Software-Gimmicks

Mit seiner Software und diversen Erweiterungen kann das Moto X nun endlich punkten. Vorinstalliert ist Android 4.4 Kitkat mit kleinen Zusätzen: Wenn ihr das Moto X bewegt, zeigt das Display die Uhrzeit, verpasste Nachrichten und Anrufe an. Dank AMOLED-Technik benötigt dieses Feature relativ wenig Strom und nutzt den Akku nicht zu stark aus.

Neben dem Display ist auch das Mikrofon dauerhaft aktiv und hört die Umgebung ab. Erkennt es den Besitzer an der Stimme, wenn er oder sie den magischen Satz “OK, Google Now” sagt, wird das Moto X direkt wach und “Google Now” wartet auf Anfragen. So könnt ihr direkt aus dem gesperrten Smartphone heraus per Sprachsteuerung Nachrichten senden, das Wetter abfragen oder Termine eintragen, ohne das Gerät berühren zu müssen. Dafür muss das Moto X vorher auf die eigene Stimme trainiert werden, sodass kein Fremder das Gerät entsperren kann.

Aufgrund der Tatsache, dass das Moto X permanent alle Gespräche und Aktivitäten mithört, dürfte manchen Nutzern in puncto Sicherheit und Datenschutz die Haare zu Berge stehen. Wer jedoch dieser Technik aufgeschlossen gegenübersteht, erhält ein nützliches Feature. Besonders im Auto ist es praktisch, das Gerät zu nutzen, ohne es berühren zu müssen.

Display

Gute Aussichten auf das Display

Das Display des Moto X misst 4,7 Zoll und besticht durch einen ausgezeichneten Schwarzwert und hohe Kontraste mit knalligen Farben, die ich jedoch als unnatürlich empfinde. Die Schärfe geht in Ordnung, auch wenn das Display mit einer Auflösung von 720 mal 1.280 Pixeln eher zum Durchschnitt gehört und im Gegensatz zu Konkurrenten kein Full HD bietet. Schriften und Bilder sind dennoch ausreichend scharf und geben keinen Grund zur Kritik. Auch die Helligkeit und der maximale Blickwinkel sind ausgezeichnet und machen das Moto X selbst unter Sonneneinstrahlung noch bedienbar.

Hardware

Leistung aus dem letztem Jahr

Im Moto X wurde ein optimierter Snapdragon-S4-Pro-Prozessor verbaut. Dieser ist schon etwas in die Jahre gekommen, bietet aber immer noch ausreichend Performance. Statt der üblichen Quadcore-CPU mit 1,5 Gigahertz, wie wir sie aus dem älteren Nexus 4 kennen, wurde hier jedoch ein Dual-Core-Prozessor verbaut, der mit 1,7 Gigahertz taktet. Auch wenn wir von Benchmarks in diesem Preissegment mehr Leistung gewöhnt sind, reicht die Power des Moto X aus, um alle Anwendungen schnell starten zu können und flüssig auszuführen. Samsungs typische Mikroruckler konnte ich ebenso wenig feststellen wie lange Wartezeiten oder Abstürze.

Speicher

Speicherkapazität ohne Erweiterung

Der CPU stehen 2 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung, die völlig ausreichen. Allerdings könnte der interne Speicher für die Daten schnell knapp werden.

Denn in Deutschland könnt ihr das Moto X aktuell nur mit 16 Gigabyte kaufen. Die Speicherkapazität lässt sich auch nicht durch eine separate microSD-Karte erweitern. Dafür schenkt Google neuen Moto-X-Käufern für zwei Jahre 50 Gigabyte Cloud-Speicher für Google Drive. Danach müsst ihr dafür zahlen oder könnt keine neuen Dokumente mehr speichern. Bereits hochgeladene Dateien könnt ihr dann nur noch ansehen.

Ein kleiner Tipp am Rande: Wenn ihr in Google Drive die hauseigenen Drive-Formate nutzt, verbrauchen eure Dateien keinen Speicherplatz. Auch über das Smartphone gesicherte Fotos nehmen keine Kapazität in Anspruch, sofern ihr in den Einstellungen für den Upload eine maximale Größe von 2.048 Pixel festlegt.

Konnektivität

Verbindungen & SIM-Merkwürdigkeiten

Damit all der Service auch über das Internet funktioniert, benötigen wir eine Verbindung zu diesem. Neben WLAN a/b/g/n und dem neuen, schnelleren WLAN-ac-Standard stehen Bluetooth 4.0, UMTS und auch LTE zur Verfügung. Etwas verwundert war ich über den SIM-Schacht. Denn es findet nicht wie erwartet eine Micro-SIM-Karte Platz, hier kommt eine Apple-typische Nano-SIM zum Einsatz. Wollt ihr also von einem anderen Smartphone zum Moto X wechseln, müsst ihr euch eine neue SIM-Karte besorgen. Ob Motorola mit dieser Maßnahme versucht, Apple-Kunden zu gewinnen oder nun doch Apple recht gibt, dass kleinere SIM-Karten durchaus nützlich sein können, ist fraglich.

Kamera

Kamera mit eigener App

Die Kamera des Moto X kann ich als sehr gut bezeichnen. Mit 10 Megapixeln werden die Fotos ausreichend groß, durchaus scharf und die Lichtausbeute ist ebenfalls gut. Die resultierenden Bilder sehen farbenfroh und natürlich aus und gelingen auch noch bei geringer Beleuchtung. Sollte das nicht genügen, steht auch ein Fotolicht zur Verfügung. Videos werden leider nur mit 720 Pixeln aufgenommen.

Für die Kamera wurde eine neue App bereitgestellt, die die Standard-Android-App ersetzt. Diese lässt sich zwar wunderbar bedienen und bietet zahlreiche Einstellungen. Auf Photosphere müsst ihr jedoch verzichten.

Fazit

Ernüchternde Worte zum Schluss

Die Idee, ein günstiges und gutes Smartphone zu schaffen, das mit dem neuesten Android sowie zahlreichen Erweiterungen angeboten wird, ist sehr gut. Leider schwächelt Motorola bei den gewählten Materialien sowie der Verarbeitung so sehr, dass das Moto X nur noch auf einem mittleren Platz zu finden ist. Auch wenn es mit tollen Funktionen sowie dem Zweijahresabo von Google Drive lockt, stört mich der Preis von 349 Euro doch zu sehr. Außerdem benötigt ihr eine neue SIM-Karte und der Speicher ist nicht erweiterbar.

Hätte es das Motorola Moto X bereits vor sechs Monaten zum selben Preis auch in Deutschland gegeben und wäre es hier ebenso gut anpassbar wie in den USA, hätte ich es jedem ans Herz gelegt. Doch leider präsentiert es sich hier in Deutschland zu spät, abgespeckt und zudem auch zu teuer und mit gewissen Mängeln.

Auch wenn die Hardware eher dem Jahr 2013 zuzuordnen ist, verfügt das Moto X über genug Leistung, um fehlerfrei zu arbeiten. Daher wird es trotzdem für den einen oder anderen Käufer interessant sein, der es für 349 Euro bei Cyberport erstehen kann.

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