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Telekom wird zur Drosselkom - auch für Bestandskunden?



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Zugeordnete Tags Telekom | DSL | Internet

Letzte Woche stand ganz im Zeichen der Drosselkom: Die Telekom gab bekannt, in Verträge für Neukunden eine Drosselung der DSL-Geschwindigkeit aufzunehmen, wenn ein gewisses Datenvolumen überschritten wird. Nun der nächste Schlag: Auch Altkunden der Telekom können von der Drosselung betroffen sein.

Umstellung auf IP-Anschluss = Neuvertrag

Das funktioniert so: 11 Millionen der insgesamt 12 Millionen Bestandskunden der Telekom haben Analog-Anschlüsse, die nicht die IP-Technologie nutzen. Bis zum Jahr 2016 sollen die alten Anschlüsse auf IP-Anschlüsse umgestellt werden – und diese Umstellung wird faktisch als Neuvertrag gesehen. Blogger Jens hat bei der Telekom nachgefragt, ob die neuen Verträge für Altkunden ohne IP-Anschluss auch die Drosselungs-Klausel enthalten werden:

“Das heißt im Endeffekt sind 11 Mio Breitbandkunden demnächst von der möglichen Drosselung betroffen, da die nicht IP-Kunden nach Telekom-Auskünften bis 2016 alle umgestellt werden. Diese bekommen nach meinen Informationen neue Verträge – die dann mit den neuen Regelungen ausgestattet wären. Oder irre ich mich da?”

Die Antwort der Telekom lautete:

“[...] von der Volumenbegrenzung ist bis 2016 faktisch niemand betroffen, weil wir sie bis dahin nicht technisch umsetzen werden. Und selbst wenn sie umgesetzt ist, werden die allermeisten Kunden davon nichts merken, weil die Inklusivvolumina ausreichen. Wenn das Volumen nicht reichen sollte, können die Kunden problemlos Highspeedvolumen nachbuchen – wie im Mobilfunk auch.”

Die “ausführliche” Antwort der Telekom kann hier nicht davon ablenken, dass die Behauptung von Blogger Jens nicht dementiert wurde. Er fragte deshalb noch einmal explizit nach, ob alle “nicht-IP-Nutzer” der Telekom ebenfalls von der Drosselung betroffen seien – darauf bekam er keine Antwort.

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Offener Brief zur Drosselung

Mit der Umstellung auf die IP-Technologie hatte die Telekom erst im Februar angefangen. Das heißt: Bisher sind laut Heise erst einige tausend Altanschlüsse umgestellt, der überwiegende Großteil steht noch aus. Die betroffenen Bestandskunden erhalten dann, wenn sie an der Reihe sind, einen Brief mit der Ankündigung, dass eine Kündigung des Altanschlusses erfolgen wird. Sollte sich die Vermutung bewahrheiten, dass eine Umstellung auf IP-Anschlüsse gleichzeitig auch eine Drosselung bedeutet, wäre das der nächste große Aufreger.

Schon jetzt hat die Drosselungs-Ankündigung der Telekom nicht nur den Spitznamen “Drosselkom” zur Folge, sondern vor allem Diskussionen um das Thema Netzneutralität. Denn in die Bemessung des Datenvolumens fließen die Telekom-eigenen Dienste nicht ein, wer diese nutzt, ist also im Vorteil. Hinzu kamen ein warnender Brief von Philipp Rösler, dem Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, mit einer offenen Antwort von Telekom-CEO Obermann. Die Drosselung wird wohl auch diese Woche eines der vorherrschenden Themen im Netz bleiben.

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6 Kommentare

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    Matthias schrieb am
    Bewertung:

    Die Anbieter sollten auch konsequent sein, wenn es um die Volumenfrage geht. Ich würde als LTE Kunde gerne Volumen dazu buchen, diese Option gibt es allerdings nicht einmal – weder bei der Telekom noch bei Vodafone. Angesichts der nicht vorhandenen DSL/Kabel – Alternative eine Traurige Bilanz des bundesweiten Breitbandausbau.

  2. avatar
    Ol chattrhand schrieb am
    Bewertung:

    Der nächste Schritt ist Wiedereinführung des Minuten-Tarifs, damit sich das auch wirklich lohnt.

    Nur blöd, dass ALLE anderen Internet-Anbieter (ausser den Kabel-Anbietern und den Funkern) den Zweidraht der Telekom mieten MÜSSEN (zumindest die DirtyLastMile vom Amt bis zum Kunden) und nur die von der Telekom gewährten Konditionen an ihre Endkunden weiterreichen können.

    Und aus Solidarität mit den Mitbewerbern gegen die pöhsen gierigen Download-Massen-Raubmord-Kopierer werden die Kabelbetreiber baldigst nachziehen.

    Das Download-Volumen wird durch die permanenten Updates der Bundes- und Business-Trojaner aufgefressen.

    chattrhand

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    peter bialas schrieb am
    Bewertung:

    Ab zu Kabeldeutschland!!!

  4. avatar
    c.ada schrieb am
    Bewertung:

    Der Kommentar strotz vor polemischen Suggestionen und Angstmacherei, von den technischen Hintergründen hat die Kommentatorin anscheinend keine Ahnung.

    z.B. "…es flößen die Telekom eigenen Dienste nicht mit ein…"
    Ja und? Das ist ja auch richtig so, weil Kunden die Premium TV mit dem Produkt "Entertain" sehen auch dafür einen eigenen Tarif haben mit einem anderen Preis.

    z.B. "..eine IP Umstellung bedeute eine Drosselung….". Das ist falsch. Nur die 3% Nutzer die die Grenze von z.B. 70-Gigabyte Volumen übersteigen könnten in der Geschwindigkeit ab dem Tag des erreichten Volumens reduziert werden für den rest eines Monats.

    "..das eine Kündigung des Altanschlusses…". Das ist falsch dargestellt und suggeriert ein Abschalten. Wenn dann wäre es eine Umstellung, Änderung ohne folgen für 97% aller Kunden.

    usw. das Niveau des Artikels ist nicht zu gebrauchen für eine sachliche Information.

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    Anton schrieb am
    Bewertung:

    Ich meine mal auf Heise.de in den Foren gelesen zu haben das die Konkurrenz der Telekom also Vodafone und Co. die Kunden kündigt wenn PowerUser sehr hohe Datenvolumen erreichen. Das ist doch unfair!

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    Da Nil schrieb am
    Bewertung:

    Aloha,hier auch mal mein Senf zum Thema:

    DAS die Telekom-Dienste, wie Entertain, nicht gedrosselt werden, ist in meinen Augen gar nicht verwerflich. Schließlich handelt es sich dabei ja auch um Zusatzdienste, die die Telekom neben dem Internetzugang anbietet und die separat (meist innerhalb des Vertrages) ausgehandelt sind.

    Viel interessanter ist für mich die Sache mit den den ganzen Telekom-Nebendiensten oder Tochtergesellschaften (genauer der T-Online International AG/Deutsche Telekom AG), wie zum Beispiel:

    Spotify
    xyz-scout24
    telekom.de
    congstar
    Telekom Cloud
    Alle Internetauftritte der Tochter/Partner/Holding-Unternehmen
    etc.

    Und eben auch interessant ist, ob diese Seiten und Dienste wie Entertain im Datenkontingent inbegriffen sind oder komplett exklusiv betrachtet werden soll.

    Darüber hinaus sind die Auswirkungen auf Leitungsmieter (Vodafone, O2) auch noch gar nicht geklärt… Vorstellbare wäre zum Beispiel eine Erhöhung der Trafficgebühren. Richtig witzig wird das sowieso erst, wenn man folgendes bedenkt:

    - Serverbetreiber XY mit der Webseite abc.de mietet Traffic vom Anbieter
    - Home-User Max Müller mietet einen Anschluss und bezahlt somit auch für Traffic und demnächst wohl auch für "Mehr"Traffic
    - Leitungsvermieter VF bezahlt ebenso an die Telekom seinen Obolus
    - 15% der Telekom sind faktisch sowieso Steuer/Staatsfinanziert, weitere 17% durch die KfW

    -> Die Telekom bezieht also mehrfach Geld für den Traffic von allen möglichen Kunden und das obwohl Traffic nichts kostet.

    Außerdem: Die Drosselung der Leitungen bringt energetisch einen Vorteil im Promillebereich. Der Aufbau von DSLAMs, Glasfaserleitungen und Co. ist ungleich teurer und wird darüber hinaus auch noch zusätzlich vom Staat(sprich Steuerzahler) unterstützt.
    In meinen Augen einfach nur eine Möglichkeit, das wachsende Datenaufkommen (und es wächst jährlich um den Faktor 1,5-2) als neue Einnahmequelle zu nutzen und den Kunden weiter zu schröpfen.

    Also wozu die Drosselung?

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