Der erste Teil der Reisebeschreibung ist hier zu finden, nun aber weiter mit dem zweiten Teil des Artikels. Von nun an ging es wieder hinab, sowohl vom Berg hinunter als auch zum südlichsten Punkt der Reise. Bevor wir uns allerdings an den Strand legen konnten, besuchten wir unterwegs noch eine kleine Manufaktur, in welcher Papierschirme hergestellt wurden. Sie bestand allerdings nur aus einem Raum, in den anderen durfte sich der geneigte Tourist dem Kaufrausch hingeben und allen möglichen Plunder und Kram kaufen – von Gartenzwergen bis Winterlandschaften aus Plaste. Das Hotel, direkt am Strand war am ersten Abend recht nett, zumindest bis die Live-Band anfing zu spielen. Leider waren die einzig freien Plätze direkt daneben und so richtig wollte keine Stimmung bei uns Europäern aufkommen.
Dafür fanden sich am nächsten Tag einige ruhige Plätzchen um bei > 30 Grad etwas im Schatten zu entspannen oder im Meer zu baden. Wer noch etwas Bewegung wollte, konnte sich dagegen einem kleinen Ausflug in den
Kenting-Park und zum südlichsten Leuchtturm von Taiwan anschließen. Auf dieser Tour entdeckten wir auch das lokale
Kernkraftwerk, in der nächsten Bucht. Es gehört schon viel Vertrauen dazu, solch ein Kraftwerk in die Taifunzone und direkt ans Meer zu bauen.
Bilderstrecke: Taiwan – Teil 1
Der Urlaub neigte sich dem Ende zu und wir mussten vom Südzipfel Taiwans an der Westküste entlang wieder hinauf bis nach Taipeh. Unterbrochen nur von Stopps am Tiger-Drachen-Tempel in Zuoying, bei
Fo Guang Shan – der größten Buddismus-Schule des Landes in Kaohsiung und diversen Freeway-Raststätten. In Taipeh selber wurden wir von Regen begrüßt, was unsere Hoffnung auf den „
Taipeh 101“ dämpfte.
Am vorletzten Tag besuchten wir zunächst eine Teefarm, mit Verkostung und Mittagessen. Anschließend ging es wieder quer durch Taipeh, zum Yeliou-Felsen im Nord-Osten. Dort wimmelte es allerdings wieder von Touristen, welche sich alle einzeln mit dem „Queens Head“ fotografieren lassen wollten. Der zugängliche Teil des
Yehliu Geoparks (eine Hälfte war wegen Bauarbeiten gesperrt) bot jede Menge interessanter Gesteinsformen. Zurück in Taipeh gab es als letztes „offizielles“ Museum der Reise das „
Taiwan Museum“ um uns mit der Geschichte des Landes vertraut zu machen. Am Abend ging es dann endlich auf den „101“ – war vielleicht sogar besser als tagsüber, die ganze Stadt in ihrer nächtlichen Beleuchtung zu sehen. Ob es nun der zweithöchste Turm der Welt oder was auch immer ist. Es hat sich auch jeden Fall gelohnt. Und den schnellsten Fahrstuhl der Welt (1010 Meter/min) haben sie ja immer noch. Den Eintritt fand ich mit umgerechnet ca. 9 EUR ok, wenn man bedenkt, was teilweise bei deutschen Türmen verlangt wird.
Bilderstrecke: Taiwan – Teil 2
Bilderstrecke: Taiwan – Teil 3
Da das Flugzeug erst kurz vor Mitternacht am Folgetag starten sollte, hatten wir noch einmal Zeit auf eigene Faust etwas zu unternehmen. Mit der Metro (sehr übersichtlich aufgebautes System, mit englischen Stationsnamen und Ansagen und dadurch recht schnell verständlich) ging es zum Botanischen Garten um noch einmal etwas Natur zu erhaschen, bevor wir 14 Stunden im Flugzeug zubringen würden. Leider waren wir einige Wochen zu zeitig und an vielen Pflanzen waren statt voller Blüten bisher nur die Knospen zu sehen. Anschließend ging es für sagenhafte 70 Cent ins
Historische Museum (
Flash-Show). Gleichzeitig fand in diesem eine Van-Goch Ausstellung statt, für unter 6 Euro Eintritt. Da sieht man schon, dass die Preise um einiges unter dem europäischen Niveau liegen. Metrofahrt (ca. 5 km bzw. 7 Stationen) für 50 Cent oder die Taxifahrt vom „101“ zum Hotel (5 km) 1,20 Euro, in Pirna zahle ich für die selbe Strecke 10 Euro.
Nun noch ein paar Kommentare zu Land und Leuten: Der Straßenverkehr ist für den deutschen Beobachter sehr verwirrend. Es herrscht zwar Rechtsverkehr, aber so richtig scheint das niemanden zu interessieren. Da wird beidseitig überholt, Sicherheitsabstand ist quasi nicht vorhanden und die vielen tausend Rollerfahrer fahren immer und überall. Sie sind das Hauptverkehrsmittel in Taiwan und zumindest in den Großstädten haben sie an den Ampeln extra Haltezonen, vor den Autos, so dass der Verkehr am Laufen bleibt. Trotz der vielen Baustellen wird sich sicher auch in der nächsten Zeit nicht viel an der Situation ändern. Auf der anderen Seite haben wir in den vergangenen zwei Wochen keinen einzigen Unfall gesehen – Respekt!
Wer asiatisches Essen mag wird an jeder Straßenecke fündig, denn es wird wirklich überall etwas angeboten – zu sehr niedrigen Preisen. Wer es noch intensiver mag, besucht einen der Nachtmärkte, wo sich ein Essensstand an den anderen reiht. Dort empfiehlt es sich aber jemanden dabei zu haben, der die Sprache spricht um herauszufinden, was man da isst. Vieles sieht zwar gut aus, aber wenn man dann weiß, was es ist…
Trotz der erwähnten und weiteren kleinen Mängeln kann ich Taiwan als Reiseland empfehlen. Vielleicht nicht jetzt sofort, aber wenn die aktuell geschlossenen Tracks wieder geöffnet sind lohnt es sich auf jeden Fall. Die Maßnahmen gegen Schweinegrippe H1N1 sind allgegenwärtig. Seien es die Hinweistafeln in den Unis und Schulen, die überall vorhandenen Spender für Desinfektionsmittel oder die Infrarot- Temperaturmessung beim Eintritt der Besucher in ein Museum. Atemschutzmasken sind auch sehr oft zu sehen, allerdings konnte ich kein System darin erkennen: warum schützt sich eine Mutter, aber ihr Kind nicht. Warum tragen sie eine Maske, wenn sie dann am Straßenrad anhalten und das Essen mit den Händen berühren?
Teilweise macht das Land den Eindruck, dass es seine beste Zeit gerade hinter sich hat. Vor einigen Jahren wurde scheinbar vieles aus dem Boden gestampft, als die Kampagne „Taiwan - touch your heart“ aktuell war, um Touristen anzulocken. Inzwischen mangelt es leider sichtbar an Pflege – Hinweistafeln sind vergilbt und unlesbar, wohl einmal sehr schöne Gärten sind verwildert, von ausgeschilderten Wanderwegen ist teilweise nichts mehr zu sehen. Schade!
Technische Reise-Hilfsmittel
Da ich den iPod touch immer dabei hatte, hier noch kurz ein paar Kommentare dazu. Das Reisetagebuch wurde mit
Notebooks geführt. Da viele Hotels über WLAN verfügten konnte ich mich mittels RssRunner auf dem Laufenden halten. Mit
OffMaps hatte ich immer die passende Karte zur Hand, wobei es auf Taiwan außerhalb der Städte noch sehr viele weiße Flecken gibt. In Taipeh selbst kam
CityMaps2Go zum Einsatz, da es eine komplette Karte mit allen POIs anbot. Für OffMaps stand leider bis zum Ende der Reise kein entsprechender Guide zur Verfügung. Ich hätte es zwar nicht geglaubt, aber auch eine Taschenlampen-App hat ihre Daseinsberechtigung. ;-) Sehr hilfreich, wenn es durch einen dunklen Tunnel geht. Die Uhr-App diente als Wecker, wobei wichtig ist, die Lautstärke vor dem zu Bett gehen aufzudrehen, denn ansonsten hört man den Wecker am folgenden Morgen nicht. Hilfreich war auch „KTdict English-Chinese“, in welchem man nach englischen Wörtern suchen kann und eine Übersetzung sowohl in chinesischen Zeichen als auch als Lautschrift bekommt.
Wer sich vorher über das Land informieren will oder nachher informiert bleiben möchte, sollte sich den
Radio Taiwan International-Podcast anhören. Täglich mit einer Stunde Informationen zu verschiedensten Themen.
Die gezeigten Bilder sind nur eine sehr kleine Auswahl, aber alle passen bei bestem Willen nicht in einen oder zwei Blog-Artikel. Aber in
Panoramio finden sich jede Menge weitere. Alle Fotos wurden mit einer inzwischen in die Jahre gekommenen Canon Powershot A710 IS gemacht. Ich hätte gerne eines der neueren Modelle mit GPS (z.B. die Panasonic TZ10) mitgenommen, aber die war noch nicht verfügbar.