Das Thema des heutigen Produkttestes umriss ich schon letzte Woche in einem
kurzen Artikel. Sogenannte Messengerphones schicken sich an, auf besonders kostensparende Weise Kunden anzusprechen, die vor allem Wert legen auf eine physische QWERTZ-Tastatur, weniger auf Merkmale wie WLAN oder GPS die den eigentlichen Smartphones weiterhin vorbehalten bleiben. Das aktuelle
LG GW300 ist ein solcher Vertreter dieser neuen Generation von Mobiltelefonen. Zu einem Preis von knapp über 100 Euro schont es den Geldbeutel, doch lohnt sich so ein „Schmalspur-Blackberry“ denn auch wirklich?
Werfen wir wie gewohnt zunächst einen kurzen Blick auf die wichtigsten
technischen Daten:
GSM-QuadBand (kein UMTS!)
2,4-Zoll-Display (240 x 320 Pixel)
2MP-Kamera
USB 2.0, Bluetooth, microSD-Slot
QWERTZ-Tastatur
Bilderstrecke: LG GW300 – Teil 1
Soweit so gewöhnlich, wie schon angesprochen, verzichtet das LG GW300 auf „Spielereien“ wie WLAN, GPS oder UMTS – dies war bei einem solch günstigen Preis auch nicht anders zu erwarten. Doch was steckt im Karton? Hierzu kurz der Lieferumfang:
LG GW300
Akku
Ladegerät
Bedienungsanleitung
USB-Datenkabel
Headset
Wie nicht anders zu erwarten fehlt eine microSD-Karte, bei den heutigen Preisen ist dies jedoch zu verschmerzen. Ich selbst testete eine 4 GB SDHC-Karte, laut LG stellt diese Kapazität auch das Maximum an Erweiterbarkeit dar. Das USB-Datenkabel wird gleichzeitig ebenso fürs Ladegerät genutzt. Erfreulicherweise findet sich am LG GW300 ein 3,5mm-Klinkenanschluss, dass mitgelieferte Headset verfügt ebenso über diesen Standard. Hierfür gibt es ein dickes Plus von mir, es scheint die Hersteller lernen langsam dazu und verschonen uns mit kostspieligen Eigenlösungen. Wer mag, kann also auch seine eigenen Lieblingsohrhörer verwenden.
Verarbeitung, Design und Bedienung
Auf den ersten Blick erscheint das LG GW300 tatsächlich wie ein Blackberry, dies bestätigte mir ein Kollege, der mich bei den Fotoaufnahmen für diesen Test „erwischte“. Besonders die Frontseite macht einen schicken und professionellen Eindruck, nur der Profi würde hier anmerken, dass er das Blackberry-Logo vermisst. Die Rückseite indes wirft uns wiederum auf den Boden der Tatsache zurück. Billiges Plastik in grauer Farbe springt uns entgegen. Dies wäre nicht so schlimm, allerdings knirscht es doch ein wenig. Spätestens an dieser Stelle verrät das LG GW300 seinen wahren Verkaufspreis. Nimmt man diesen zur Beurteilung hinzu, kann man dem Handy aber immer noch eine halbwegs gute Verarbeitung attestieren.
Bilderstrecke: LG GW300 – Teil 2
Im Gegensatz zu einem Blackberry ist das LG GW300 dessen ungeachtet ein geschlossenes System, weitere Programme (von Java mal abgesehen) lassen sich also nicht wirklich installieren. So muss man damit zurechtkommen, was LG dem Telefon mitliefert. Dies ist für ein Handy dieser Preisklasse schon ordentlich. Neben einem MP3-Player bringt das LG noch ein UKW-Radio mit, ebenso eine Kalenderfunktion, E-Mail, Webbrowser und die Anbindung an Dienste wie Windows Live oder Facebook. Die Bedienung des Systems geht leicht von der Hand und wirft keine weiteren Fragen auf. Doch wie steht es um die Qualität der Tastatur?
Nun, um ehrlich zu sein, mit einer guten Blackberry-Tastatur mag das QWERTZ-Pendant von LG nicht mithalten können. Für meinen Geschmack und vor allem für meine „fetten“ Finger liegen die Tasten einen Hauch zu dicht beieinander. Allerdings ist diese Tastatur immer noch dem normalen Zahlenblock und auch vielen virtuellen QWERTZ-Tastaturen vorzuziehen. Insofern möchte ich diese Eingabemethode als brauchbar bezeichnen. In den seltensten Fällen wird der potentielle Kunde eh einen „echten“ Blackberry schon in der Hand gehabt haben, es fehlt dann also so oder so der direkte Vergleich. Noch ein Wort zu den Netzfähigkeiten des LG GW300. Für Textbasierte Anwendung wie E-Mail, SMS etc. ist das Gerät sicherlich gut geeignet, doch zum ernsthaften Nutzen des Internets würde ich es nicht empfehlen wollen. Schon allein der Verzicht auf UMTS, und somit die Beschränkung auf GPRS-Geschwindigkeit spricht Bände. Ich versuchte es mit meiner E-PLUS-Karte und gab alsbald auf – nein, zum Surfen ist es nicht sinnvoll zu verwenden.
Kamera
Ein Foto-Handy ist das LG GW300 mitnichten, für einen Schnappschuss mögen die zwei Megapixel reichen, für mehr nicht – doch erwartet man tatsächlich mehr, von einem solchen Telefon? Den Test der Videofunktion ersparte ich mir wiederum, ich glaube jeder kann sich gut vorstellen, dass dies nicht zu den wahren Stärken des Gerätes zählen würde.

Testbild, für das Original bitte auf das Bild klicken.
Datenaustausch am Mac
Zum Datenaustausch bedarf es normalerweise keiner zusätzlichen Software, denn das LG GW300 versteht sich darauf als USB-Massenspeicher angesprochen zu werden. Am Mac indes ist diese Verlautbarung des Herstellers blanke Theorie, denn Mac OS X (10.5 Leopard) quittierte mir dieses Vorhaben mit einer Fehlermeldung. So bleibt am Mac nur der Schritt zu Bluetooth, doch eine Speicherkarte möchte man somit sicherlich nicht befüllen. Hier gilt es einen Cardreader zu aktivieren. Irgendwie schade, denn der direkte Austausch per USB ist um einiges einfacher und funktionierte bspw. tadellos mit dem ebenfalls von mir getesteten LG GT505 Pathfinder.
Bilderstrecke: LG GW300 – Teil 3
Akkuleistung
Seit meinem Test des LG GT505 Pathfinder sollte mir bewusst sein, dass die Thematik Akkuleistung bei LG ein einziges Problemfeld darstellt. Dies ist auch beim LG GW300 der Fall. Der Hersteller verspricht vollmundig eine Standby-Zeit von 400 Stunden, dies entspricht in etwa etwas über 16 Tagen. Bei aller Liebe, diese Angaben sind maßlos übertrieben. Bei mir hielt das Gerät über einen längeren Testzeitraum nie länger als drei Tage und dies bei sehr geringer Nutzung (maximal zwei, drei kurze Telefonate pro Tag, sporadisch eine SMS und keinerlei Spielzeug wie MP3 und Co). Hinzu kommt die sehr unzuverlässige Akkuanzeige die mich schon beim Pathfinder störte – es gilt umso mehr der Rat, das Ladegerät ständig bei sich zu haben. Diese Werte verwunden stark, verzichtet das LG GW300 doch auf UMTS, und somit auf den größten Stromfresser.
Fazit
Nein, ein „echter“ Blackberry ist das LG GW300 nicht und möchte es wahrscheinlich auch nicht sein. Dagegen ist es ein leicht zu bedienendes Messengerphone mit einer nützlichen QWERTZ-Tastatur. Bis hierin kann man das Gerät durchaus empfehlen, denn nicht jeder benötigt all die Funktionen eines echten Smartphones. Wäre da nicht das Kapitel „Akkuleistung“, dass mich doch sehr enttäuschte. Wer damit jedoch leben kann, für den ist das LG GW300 sicherlich einen zweiten Blick wert.

2 Kommentare
Das CyberBloc ist das Corporate Blog von Cyberport; mit Themenschwerpunkten rund um Technik und digitalen Lifestyle. Produkte wie der
Asus Eee PC, die neuste
Ixus von Canon oder auch das
iPhone – vor uns ist keine neue Technik sicher. Denn ob Digicam oder Netbook, wir testen was interessiert. Aber auch mit Zeitgeistbetrachtungen, Musikrezensionen oder Reiseberichten möchten wir unseren Lesern einerseits unser Mutterschiff Cyberport vorstellen und andererseits über all jene Dinge informieren, die uns in Beruf und Freizeit bewegen.
weiterlesen
Bevor das wohlverdiente Wochenende über uns hereinbricht, gibt es zur Information und Unterhaltung einen weiteren Teil unserer CyberBloc-TV-Reihe. Im Mittelpunkt…
Ich selber werde mir die Baustelle unseren neuen Stores in Leipzig erst am nächsten Montag näher anschauen können, indes ruft die bevorstehende Eröffnung…
Ansgar fasste schon zuvor schon die Neuerungen zur neuesten Version von iTunes in seinem Artikel zusammen, seit dem 02. September bietet Apple nun die…
Android-Jünger sehen in der nativen Flash-Unterstützung innerhalb von Android 2.2 (Froyo) einen absoluten Wettbewerbsvorteil gegenüber dem iPhone und dem…
Briefe schreiben ist doch so was von out. Wofür gibt's schließlich E-Mail? Briefe, sprich Post bekomme ich nur noch in Form von Rechnungen, Mitteilungen…
Lange Zeit sah es so aus, als ob allein Intel mit dem Atom-Prozessor die Sparte der Netbooks für sich beanspruchte. AMD ziert sich bis heute in diesem…
Nachdem die Einführung des Ideapad S10e seit letzter Woche eindrucksvoll für Schlagzeilen sorgt, konnten wir uns in einem ersten Testbericht schon ein…
Pünktlich kurz vorm Wochenende erbringen wir unsere Schuld und zeigen das seit Anfang dieser Woche erhältliche T-Mobile G1 in Bild und Ton. Ich nutzte…