Mein erster Blackberry war der
7210, ausgerichtet auf Kontakteverwaltung, E-Mail-Empfang und -Versand sowie auf Telefonie. Das alles in seiner reinsten Form, denn wenn es im Menü Symbole gab, dann nur in der obersten Ebene, der Rest bestand aus Textwüste, und Schnickschnack wie Multimedia oder Kamera galten als zweitrangig. Doch mit
wachsendem Erfolg wurden die Blackberrys nicht nur für Manager interessant, sondern auch für Privatkunden, die Wert auf eine integrierte Kamera, einen MP3-Player und weitere Multimediafunktionen legten. Einen Vertreter dieser Multimediatalente, den
Blackberry Curve 8310, habe ich mir nun etwas näher angeschaut.
Design, Verarbeitung, Haptik
Einst galt das Motto von Henry Ford: "Wir können das Auto in jeder Farbe liefern – Hauptsache schwarz." Ähnliches traf auf die alten Blackberrys zu, die in robustes schwarzes Plastik gehüllt waren. – Der neue 8310 hingegen trumpft zwar auf mit einem eleganten Mix aus Silber und Schwarz, glänzt dabei aber so sehr, dass nach langem Gebrauch der PH-Wert der Hände deutlich abzulesen ist. Trotzdem, den holzschnittartigen Vorgängern ist der Curve meilenweit voraus, denn Softtouch-Materialen und die Abwesenheit von Kanten und Ecken machen ihn zu einem Handschmeichler erster Güte.
Bei einem Gewicht von 111 Gramm wird seine Vorderseite vom 2,5-Zoll-Display und der QWERTZ-Tastatur dominiert. Und auch wenn der seiner Preisklasse entsprechend gut verarbeitete Curve nicht zu den kleinsten Smartphones zählt, gelingt ihm der Spagat zwischen den ein Handheld limitierenden Faktoren – Display-, Tastatur- und Fingergröße – doch so gut, dass er nahezu unauffällig in der Hosen- oder Hemdtasche verschwindet.
Das TFT-Display übrigens bietet eine Auflösung von 240 x 320 Pixeln und stellt 65.036 Farben dar; zum Schutz vor Kratzern wurde es tief ins Gehäuse eingelassen. Mittels eines Lichtsensors wird die Helligkeit angepasst, wodurch sowohl gute Ablesbarkeit als auch optimale Batterielaufzeiten garantiert sind.
Das QWERTZ-Keyboard lässt sich, freilich erst nach etwas Übung, selbst mit meinen großen Fingern fehlerfrei bedienen; so entstand gar ein Teil dieses Textes unterwegs. Während der Tastenhub aber eine Spur besser sein könnte, ist die Tastaturbeleuchtung im Dunkeln gleichmäßig weiß; hier habe ich bei Mitbewerbern deutlich schlechtere Lösungen für mehr Geld gesehen.
Bedienung, Navigation, Menü
In der Mitte der Gehäusefront befindet sich der Trackball, mit dem schnell und einfach durch das Menü navigiert wird und dessen Berührungsempfindlichkeit einstellbar ist. Links vom Trackball ist der Menü-Zugriff gelegen, rechts vom Trackball kann man mittels Zurücktaste auf die jeweils vorhergehende Ebene springen. Und natürlich verfügt der Curve auch über Hörertasten in klassischem Rot und Grün – eine Verbesserung zu früheren Modellen, die diese Tasten nicht besaßen, weshalb es damals arge Mühe bereiten konnte, einen Anruf entgegenzunehmen. Die rote Hörertaste dient gleichzeitig dem Ein- und Ausschalten des Geräts.
An der Oberseite versteckt sich ein Button zum Stummschalten, die Meeting-Tauglichkeit ist also schnell hergestellt. Oberhalb des Displays befindet sich außerdem eine Status-LED, die die verschiedenen Betriebszustände oder eine neue E-Mail anzeigt – ein Feature, das viele andere Hersteller vermissen lassen.
Viele Symbole auf der ersten Seite, danach Textwüste, so lässt sich das Menü beschreiben, und auch trotz der zahlreichen Menü-Einträge findet sich ein halbwegs mit der Materie vertrauter Anwender schnell zurecht. Nicht zu empfehlen ist allerdings, die Sicherheitseinstellungen ohne Vorbildung zu ändern, denn hier kann leicht Porzellan zerschlagen werden, sodass man den Curve resetten muss.
Generell wird Sicherheit groß geschrieben, denn alle Daten können verschlüsselt und mittels Kennwort geschützt werden. Wird dabei das Kennwort mehrfach falsch eingegegeben, werden alle Daten gelöscht – der 8310 wartet also mit einem Sicherheitsstandard auf, den selbst ein Notebook nur mit Spezialsoftware schafft.
Wie auch andere Smartphones verfügt der Curve über eine Active-Standby-Funktion, mit der sich auf einen Blick Termine, E-Mails, verpasste Anrufe und andere Ereignisse direkt auf dem Display ablesen – sehr praktisch für den schnellen Überblick, ohne in die Tiefen des Menüs eintauchen zu müssen
Anwendungen, Multimedia, Kamera
Die Organizer-Funktion des Curve ist vorbildlich: Kontakte und Termine lassen sich in der Consumer-Variante mittels USB-Kabel und Outlook abgleichen, in der Enterprise-Version können diese Daten, ebenso wie E-Mails, via Push-Funktion abgerufen werden, entsprechende Software auf dem Server wie z.B. Exchange vorausgesetzt. Die Sekretärin kann also jederzeit Termine canceln oder neu eintragen, die Änderungen sind sofort sichtbar.
Auch die Übersichtlichkeit des Organizers ist hervorragend, hier dürften die meisten Mitbewerber außen vor bleiben. Kontakte lassen sich nach Vor-, Nachnamen oder Firma sortieren, zudem ist die Unterscheidung zwischen "Privat" und "Geschäftlich" möglich. Selbst Klingeltöne und Anrufbilder können einzelnen Kontakten zugewiesen werden, und nutzt man einen Google Calendar, so ist mittels eines kleinen Tools der Kalender synchronisierbar.
Die Multimediaabteilung des Curve kann MP3-Dateien und Videos abspielen, wobei die Ausgabe entweder über den guten Lautsprecher oder über das mitgelieferten Stereoheadset (3,5 mm Klinke) erfolgt. Wer möchte, kann Musik sogar via Bluetooth/AD2P zu einem Bluetooth-Stereoheadset streamen.
Die verbaute 2-Megapixel-Kamera besitzt keinen Autofokus und ist lediglich für Schnappschüsse verwendbar. Zwar können Farbeffekte, Bildqualität und Weißabgleich eingestellt werden, doch leider besteht keine Möglichkeit, Videos aufzunehmen. – Immerhin, der Curve lässt sich problemlos mit Drittanwendungen erweitern, so ist beispielsweise Instant Messaging auch über ICQ oder Skype nutzbar.
Bilderstrecke: Testfotos mit dem 8310
Konnektivität, Internet, GPS
Der 8310 wartet mit integriertem GPS auf; hierbei handelt es sich um ein so genanntes Offboard-Navigationssystem, d.h., die Router-Daten werden online abgerufen und ermittelt, weshalb es nicht nötig ist, teure Navigationssoftware zu kaufen. Schließlich gibt es eine Vielzahl von kostenfreien – und kostenpflichtigen – Navigationsmöglichkeiten; ich nutze seit Langem
Nav4All sowie Google Maps Mobile – und bin zufrieden. So werden beispielsweise für einen 200-Kilometer-Trip zirka 100 kb Daten verrechnet, was auch den Kostenfaktor im Ausland nicht unnötig erhöht.
Quadband, GPRS, EDGE – fast alles, was ich von einem Smartphone im Jahr 2008 erwarte, kann der 8310. Allerdings versteht er sich nicht auf WLAN und UMTS, was für den gegen Jahresende angekündigten Nachfolger Blackberry Bold aber kein Problem mehr ist. Bluetooth ist, wie angedeutet, ebenfalls vorhanden, allerdings fehlt der wichtige SAP-Standard. Dafür ist der integrierte Browser mit allen gängigen Standards (HTML, XHTML, WAP, RSS) kompatibel, wobei die Daten natürlich vorher auf den Servern von Blackberry sinnvoll aufbereitet werden, um wertvolles Datenvolumen zu sparen und die Geschwindigkeit zu erhöhen. Dennoch, der Browser ist nicht unbedingt das Glanzstück von Blackberry, aber immerhin so gut, um Internet on the Go zu genießen.
Die Hauptanwendung von Blackberry, das E-Mail-Handling, arbeitet dagegen einwandfrei. Ganz gleich, wo ich mich bei ausreichender Netzabdeckung befinde, ich habe sofort meine E-Mails zur Hand und kann sie sofort beantworten. – Das ist der typische "Crackberry-Effekt", den alle jene lieben, die nicht mehr ohne ihren Blackberry können.
Akkulaufzeit
Blackberrys sind in Sachen Akkulaufzeit gemeinhin Dauerläufer. Und auch der 8310 ist trotz GPS und Multimediafeatures nicht von schlechten Eltern, denn bei meiner intensivsten Beanspruchung (drei Stunden Telefonie täglich, Navigation, MP3 und E-Mails) erreichte er eine Laufzeit von einem guten Tag. Im regulären Betrieb hingegen hält der Lithium-Ionen-Akku etwa fünf Tage, was ist in der heutigen Zeit, in der man ohne Autoladekabel nicht mehr allzu weit kommt, durchaus beachtlich ist.
Fazit
Dem Blackberry 8310 Curve gelingt es, die alten Qualitäten eines Blackberry mit den neuen Multimediawünschen der Kunden zu verbinden, ohne dass es zu einem Bruch kommt. Natürlich ist der Curve keine ultimative Multimediamaschine wie das iPhone, aber für den Einsatzweck Business/Consumer ist er ein wirklich gutes, überaus taugliches Alltagsgerät, selbst wenn keine microSD-Karte für Multimediadaten im Lieferumfang enthalten ist. – Ich jedenfalls bin nach einer wahren Handy- und Smartphone-Odyssee beim 8310 gelandet und froh, dass ich – wieder – einen echten Blackberry besitze und keine halbseidene Softwarelösung.
