Da im
ersten Teil nur Programme für Mac OS X erwähnt wurden, sollen diesmal auch die Windows-Anwender/innen ein paar Empfehlungen bekommen. Bevor ich dazu komme, noch ein Abschnitt zur Titelerkennung mittels Audioanalyse und dem Fine-Tuning der Titel, Cover und Songtexte. Die Werbung verspricht viel, nur funktioniert das alles auch?
Fine-Tuning: Wie schon im
Teil 1 erwähnt, bietet der CD Spin Doctor (aus dem
Roxio Toast-Paket) eine Audioanalyse zur Titel und Interpretenbestimmung per GraceNote an. Leider lag die Trefferquote in meinem Fall bei Null.
Auch der Versuch mit Titeln von CD (vorher in aif-Format konvertiert, damit der CD Spin Doctor sie öffnen konnte) scheiterte. Damit ist das Programm nicht wirklich brauchbar, weil auch schon die Schnittmöglichkeiten eingeschränkt waren. Zum Vergleich traten weiterhin an:
beaTunes (was weit mehr bietet als eine Titel- und Interpreten-Erkennung),
SongGenie 2 (nur für diesen Zweck entwickelt), und
TuneInstructor – bietet zwar keine Audioanalyse, dafür ermöglicht er neben vielen anderen nützlichen Funktionen das Suchen und Einbinden von Songtexten und Covern. Außer Konkurrenz
Shazam, da das Programm aktuell nur für diverse Mobilgeräte verfügbar ist. Dafür zeigt es mit seiner hohen Trefferquote sehr gut, was möglich ist. Für die Windows-Anwender/innen geht
Jaikoz ins Rennen.
Um nicht lange um den heißen Brei herumzureden, im folgenden direkt die Ergebnisse: Wenn noch kein Titelname und Interpret vorhanden ist, tun sich die Programme per Audioanalyse recht schwer etwas zu finden. Sind diese beiden Angaben aber vorhanden, steigt die Trefferquote für weitere Metadaten (Erscheinungsjahr, Album, Songtext, Cover) erheblich. Eine Ausnahme ist Shazam, das zusammen mit der Audioanalyse sehr viele Daten liefert. Von den Schallplattenaufnahmen wurden 20 Titel ausgewählt (auch bekannte Titel wie z.B. „Yellow Submarine“), zusätzlich 20 Titel welche von CD auf den Rechner überspielt wurden. Vor der Audioanalyse wurden alle Metadaten aus den Titeln entfernt.
Test 1: Titel- und Interpreten-Erkennung durch Audioanalyse
CD Spin Doctor: 0/20 Schallplatten-Aufnahmen, 0/20 CD-Titel
beaTunes: 0/20 Schallplatten-Aufnahmen, 18/20 CD-Titel
SongGenie 2: 0/20 Schallplatten-Aufnahmen, 17/20 CD-Titel
TuneInstructor: bietet diese Funktion nicht
Jaikoz: 0/20 Schallplatten-Aufnahmen, 16/20 CD-Titel
Shazam: 15/20 Schallplatten-Aufnahmen, 16/20 CD-Titel
Test 2: Weitere Metadaten zu den Titeln (Songtext, Cover, Korrekturen Erscheinungsjahr, Genre), Tags für Titel, Interpret vorhanden, für Album teilweise vorhanden
CD Spin Doctor: bietet diese Funktion nicht
beaTunes: Songtext 12/40, Cover – Funktion nicht vorhanden
SongGenie 2: Songtext 13/40, Cover – Funktion nicht vorhanden(*)
TuneInstructor: Songetext 22/40, Cover 14/40
Jaikoz: Songtext - Funktion nicht vorhanden, Cover 14/40
Shazam: Songtext 16/40, Cover 27/40
(*) es muss CoverScout 3 hinzugekauft werden, dieser findet dann 40/40 Cover
Bilderstrecke: Tools Mac – Teil 1
beaTunes (Version 2.1.9 / Mac und Windows)
Nach der Installation und dem ersten Start bietet beaTunes an, die vorhandene iTunes-Bibliothek zu inspizieren und gefundene Unregelmäßigkeiten, wie zum Beispiel falsch geschriebene Interpreten, anzuzeigende Änderungen werden dabei ohne Rückfrage durchgeführt, schon gar nicht in der Demoversion.
Was aber funktioniert, ist die Songanalyse. Neben oben angeführter Audioanalyse zur Erkennung von unbekannten Titeln, bietet beaTunes jede Menge mehr: So können die Beats pro Minute (BPM) ermittelt werden, ebenso die Farbe und Tonart eines Titels. Entsprechend diesen Daten können anschließend in beaTunes entsprechende Playlisten zusammengestellt werden. In iTunes wird nur BPM unterstützt. Ebenso können Liedtexte von lyricsfly.com importiert und die Sprache der Liedtexte in den Tags vermerkt werden. Eher ein umfangreiches Werkzeug für DJs, als für den Normalanwender nützlich. Für den reicht die 14-Tage lauffähige Demo-Version um die BPM, zusätzliche Metadaten und Liedtexte eintragen zu lassen. Für Interessenten kostet die Vollversion aktuell 32 US Dollar.
SongGenie 2 (Version 3.1 / Mac)
Im ersten Schritt wird die komplette iTunes-Bibliothek eingelesen und sowohl als Karteikarten als auch als Liste dargestellt. Je nach vorhandenen Metadaten schwankt die Qualitätsbewertung zwischen keiner und mehreren Gitarren. Die Gesamtbeurteilung der Bibliothek findet sich rechts neben den Karteikarten mit jeweils einem einzelnen Balken für Titelinformationen, Cover und Liedtexten. In der Demoversion kann jeweils nur ein Titel analysiert werden, was komisch ist, denn die Demoversion schreibt keine Daten zurück in die iTunes-Bibliothek. Ebenso muss nach fünf Analysen das Programm neu gestartet werden, zum Test reicht es dennoch aus. Gefundene Informationen werden neben den entsprechenden Feldern rot hinterlegt dargestellt und es bleibt dem Anwender überlassen sie zu übernehmen. Bei Titeln die per Audioanalyse erkannt wurden, sollte man etwas genauer hinschauen und die Daten nicht blind übernehmen, denn manchmal liegt das Programm auch daneben. Von dem „It's like Shazam for your iTunes“ aus der Produktwerbung ist das Programm aber noch entfernt. Shazam erkennt knapp doppelt so viele Titel per Audioanalyse. Eine Cover-Suche ist nicht möglich, dafür muss das separat zu erwerbende CoverScout verwendet werden. Preise: jeweils SongGenie 2 für 24,95 Euro und CoverScout 3 für 24,50 Euro.
TuneInstructor (Version 3.1 / Mac)
Dies ist wieder eines der kleinen Programme welches sehr viele Funktionen in sich birgt. Zum einen kann es auf zwei Arten betrieben werden, zunächst als kleine Version im Menü. Über dieses lässt sich iTunes fernsteuern und zu jedem Titel werden einige Informationen angezeigt. In der großen Version stehen jede Menge Tools zur Bearbeitung der ID3-Tags zur Verfügung, Datei- und Ordnernamen können korrigiert werden. In meinem Fall wurden nur die Funktionen für die Cover- und Liedtext-Suche genutzt. Preis: Kostenlos, Spenden möglich.
Shazam (div. Mobilgeräte)
Nur um zu sehen, was möglich ist wurden die Tests auch mit Shazam durchgeführt. Leider gibt es keine Desktopversion, die die gefundenen Titel, Interpreten usw. automatisch in die iTunes-Bibliothek eintragen würde. Besonderheit der kostenlosen iPad-Version ist, das es keine Begrenzung der tagbaren Titel gibt. Die kostenlose Version für iPhone und iPod touch ist auf 5 Titel pro Monat begrenzt. Die Erkennungsrate ist im Vergleich zu den anderen Programmen recht hoch, auch wenn die Cover nicht immer dem der aufgenommenen/gekauften Version entsprechen. Aber welches Lied wurde nur auf einem einzigen Tonträger veröffentlicht?
Auch unter Windows habe ich die Soundanalyse versucht, leider ohne großen Erfolg. Der „Magic mp3 Tagger“ brachte beim Analyseversuch nur die Fehlermeldung, dass er die Audiodatei nicht kopieren könnte. Der „Helium Music Manager 7“ erzeugte zwar IDs für MusicBrainz konnte aber trotzdem nichts finden. „Jaikoz Audio Tagger“ dagegen hinterließ einen guten Eindruck. Auch er erzeugte die MusicIDs, fand aber im Gegensatz zu den anderen beiden Programmen auch Daten für diese. Zwar konnten auch mit diesem Programm nicht alle Titel erkannt werden, aber das verlange ich auch nicht bei Aufnahmen von russischen Schallplatten auf denen englische Hits nachgesungen werden. Der „Jaikoz Audio Tagger“ ist für Mac OS X, Linux und Windows erhältlich.
Bilderstrecke: Tools Mac/Windows – Teil 2
Tools für Windows
Für die Windows-Nutzer unter den CyberBloc-Lesern noch ein Blick über den Tellerrand. Neben Audacity (siehe Teil 1) und Nero 10 (SoundTrax und WaveEditor) ist Magix Audio Cleaning Lab 16 speziell auf die Aufgabe der Digitalisierung analoger Aufnahmen ausgelegt. In Kombination mit einem USB-Vorverstärker nennt sich das Paket dann Magix Retten Sie Ihre Schallplatten 2. Bei mir klappte die Aufnahme auch ohne diesen.
Magix Audio Cleaning Lab 16 (Windows)
Getestet wurde mit der Demo-Version, welche direkt bei Magix geladen werden kann. Diese ist sieben Tage voll funktionsfähig, nach Registrierung 30 Tage. Nach der Installation wird angeboten vor dem ersten Start ein Videotutorial zum Programm anzusehen. Dieses erklärt den Ablauf von der Aufnahme bis zum Export recht gut und ein tiefer gehendes Studium des Handbuches ist nicht notwendig. Für jeden einzelnen Schritt – Aufnehmen, Restaurieren und Exportieren – wird das Programmfenster entsprechend mit den passenden Werkzeugen gefüllt. Im einfachen Aufnahme-Modus kann die Aufnahme nur gestartet, pausiert und beendet werden. Der Erweiterte bietet unter anderem die Möglichkeit der automatischen Trackerkennung, manuelle Markierung von Pausen und die Festlegung des Aufnahmeformats und deren Qualität an. Nach der Aufnahme kann im Bereich Cleaning eine automatische Entfernung von Störgeräuschen durchgeführt oder Schritt-für-Schritt vorgegangen werden. Dabei wird jedes Modul einzeln angezeigt und es besteht die Möglichkeit sich sowohl das Original als auch die mit den eingestellten Werten bearbeitete Version anzuhören. Eine automatische Erkennung von Titel und Interpret, wie der CD Spin Doctor wird dagegen nicht angeboten. Im Bereich Mastering kann die Aufnahme mit Effekten belegt werden, aber von den aufgenommen Schallplatten soll ja eher der Originalton erhalten bleiben. Das Ergebnis kann sowohl in einzelne Audio-Dateien exportiert als auch als Audio-CD/-DVD gebrannt werden.
Bilderstrecke: Tools Windows – Teil 1
Nero 10 (SoundTrax-Version 4.6.1 / WaveEditor unbekannte Version)
Unter den vielen Zusatzprogrammen des Paketes (die reine Brennfunktion ist inzwischen auch als kostenlose Version erhältlich) findet sich auch SoundTrax. In diesem kann über Werkzeuge/Assistenten der LP-zu-CD-Assistent aufgerufen werden. Direkt im ersten Dialog erfolgt die Auswahl der Audioquelle, der Aufnahmelautstärke und der Zieldatei. Diese kann in folgende Formaten gespeichert werden: ac3, aif, mp3, wma, flac, mp4, ogg, wav. Ist „Digitales Monitoring“ aktiviert, wird das am Audioeingang anliegende Signal direkt wiedergegeben. Allerdings ist dies standardmäßig deaktiviert und macht damit eine Einstellung des Eingangspegels unmöglich. Weiterhin gibt es die Möglichkeit die Aufnahme zu pausieren, bis ein Signal am Eingang erkannt wurde und sie nach 20 Sekunden Pause wieder anhalten zu lassen. Als weitere kleine Ungereimtheit ist der (Weiter)-Knopf aktiv sobald die Aufnahme gestartet wurde. Sollte dies nicht erst am Ende der Aufnahme so sein?
Im nächsten Dialog kann das Programm versuchen die Tracks automatisch zu erkennen. Als Hilfe kann die Mindestdauer für eine Pause und die Mindestlänge für einen Track angegeben werden. Ebenso der Pausengrenzwert in dB. Aber auch SoundTrax kann das nicht besser als die anderen Programme. Weiter geht es zur Rauschunterdrückung. Hier stehen alle Regler auf Mittelwert und Vorgabeprofile gibt es nicht – keine große Hilfe. Am Ende des Assistenten kann das Ganze auf CD gebrannt oder einfach nur in SoundTrax übernommen werden. Da kann sie mit diversen Effekten (Audio-Loops, Soundbox-Clip, Scratch-Box…) versehen werden. Das eigentlich gesuchte Schneiden der Aufnahme bietet SoundTrax nicht an.
Um dies zu tun, muss doppelt auf die Waveform geklickt und damit die Aufnahme im Nero WaveEditor geöffnet werden. Hier kann ähnlich Audacity weit genug hineingezoomt und so die Schnittstelle präzise eingestellt werden. Anschließend wird ein Marker über „Bearbeiten/Track-Split einfügen“ gesetzt. Sind alle Marker gesetzt, werden die Titel über „Bearbeiten/Tracks als Dateien speichern“ ausgegeben. Im WaveEditor stehen alle gesuchten Werkzeuge zur Verfügung um die Aufnahme vernünftig nachzubearbeiten: Die Lautstärke kann ein- und ausgeblendet, die komplette Aufnahme normalisiert, Klickgeräusche, Brummen und Rauschen kann entfernt werden. Zum Beispiel kann gegen das Rauschen eine Rauschanalyse durchgeführt werden, welches das Ergebnis sicher noch einmal verbessert. Titelnamen, Interpret usw. können im WaveEditor nicht angegeben werden. Da dieser ebenfalls eine Aufnahmemöglichkeit bietet, sollte man ihn auch direkt nutzen und sich den Umweg über SoundTrax sparen. Um einen Eindruck vom Programm selber zu erhalten, steht eine 15 Tage lauffähige Testversion zur Verfügung.
Bilderstrecke: Tools Windows – Teil 2