Die Urväter des Deutschrock sind zurück: Nachdem über drei Jahre seit dem letzten Studioalbum ins Land gehen mussten, legen die Mannen um Frontmann Dieter „Maschine“ Birr pünktlich zu Beginn ihres 40. Bühnenjahres ihr neues Machwerk vor. Zum Verkaufsstart wurde der umjubelte Tourauftakt vor 17.000 Fans am 1. Januar in der ausverkauften Berliner O2-Arena auserkoren – nur zwei Wochen später der Einstieg in die Charts. Bereits der kraftvolle Opener „Lust auf Abenteuer“ beseitigt alle Zweifel: Die Rockerrente wird noch eine Weile auf sich warten lassen. In gewohnter Manier liefern eingängige Melodien und lebensnahe, glaubwürdige Texte auch auf dieser Scheibe den vertrauten, unverwechselbaren Puhdys-Sound.
Sowohl Texte als auch Kompositionen stammen einmal mehr aus der Feder Dieter Birrs. Ausnahmen bilden lediglich die erstmals im Studio eingespielten und live bereits bekannten Titel „Kühle Lady“ und „Nirvana“ sowie das neu arrangierte „Wenn Träume sterben“, das in seiner überarbeiteten Fassung deutlich an Fahrt gewinnt.
Aber auch wenn nach wie vor die E-Gitarren röhren und Titel wie eben „Lust auf Abenteuer“ oder „Schänder“ mit druckvoller Gangart daherkommen, wird der Hörer nach den 13 Titeln erkennen, dass die Gruppe, verglichen vor allem mit den von André Kuntze produzierten Alben „Wilder Frieden“ (1999) und „Alles hat seine Zeit“ (2005), etwas an finaler Härte herausgenommen hat. Rainer Oleak setzt auf seiner ersten „regulären“ Puhdys-Studioproduktion stattdessen auf dichte orchestrale Klangteppiche, die das 2009er Album so von seinen Vorgängern unterscheiden und es etwas „weicher“ machen. Darüber hinaus gab Oleak dem „Abenteuer“ klangtechnisch eine eher wärmere Note, die die Sterilität eines digitalen Tonträgers zu dämpfen versucht und für das 21. Jahrhundert vielleicht etwas matt zu klingen scheint. Eine Angelegenheit des persönlichen Geschmacks, die mit einem leichten Anheben der Höhen per Klangregler jeder für sich selbst klären kann.
Fazit: Fans der Puhdys und Liebhaber guten handgemachten Rocks dürfen unbesorgt zugreifen. Rammstein-Fetischisten werden dieses Mal hingegen eher weniger glücklich.
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